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GPA-DJP Vorsitzende Barbara Teiber im Interview über unsere Sozialversicherung

„Diese sogenannte Kassenreform ist ein Angriff auf das Gesundheitssystem“

Eine starke Stimme für die Versicherten und PatientInnen ist die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp). Mein Herz für ein soziales Österreich hat die Bundesvorsitzende Barbara Teiber vor das Mikro gebeten. 

Teiber: Diese sogenannte Kassenreform ist ein Angriff auf das Gesundheitssystem. Es ist zu befürchten, dass es für ArbeitnehmerInnen der Privatwirtschaft zu Leistungsverschlechterungen und/oder Selbstbehalten kommt. Es steht also viel auf dem Spiel für sehr viele Menschen in Österreich, da können wir nicht schweigend und tatenlos zuschauen.

Die Regierung behauptet, durch die Reform kann jede Menge Geld eingespart werden.

Teiber: Hier wird mit frei erfundenen Zahlen hantiert. Die Regierung hat behauptet sie könne eine Milliarde Euro einsparen. Daraufhin haben alle Experten wie auch der Rechnungshof gesagt, dass sich das nicht ausgeht und dass auch die Berechnungen im Gesetz das nicht hergeben. Daraufhin hat die Sozialministerin im überarbeiteten Entwurf einfach statt 10 Prozent Einsparungen in der Verwaltung 30 Prozent geschrieben. Das ist Zahlenmystik!

„Diese sogenannte Kassenreform ist ein Angriff auf das Gesundheitssystem. Es ist zu befürchten, dass es für ArbeitnehmerInnen der Privatwirtschaft zu Leistungsverschlechterungen und/oder Selbstbehalten kommt.“

Barbara Teiber

Geschäftsführende Vorsitzende, Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier

Wie betrifft das die Patientinnen und Patienten?

Teiber: Ganz einfach: Wenn dem Gesundheitssystem über eine Milliarde Euro entzogen wird – alle Experten sagen, so viel wird die Kassenfusion kosten – dann muss dieses Geld irgendwie wieder reinkommen. Und nachdem künftig die Wirtschaft das Sagen hat, wird das über Leistungskürzungen und Selbstbehalte passieren. Und wenn im Personal Pensionierungen nicht nachbesetzt werden, dann wird sich für die PatientInnen die Wartezeit massiv verlängern.

Wie wirkt sich die geplante Reform auf die unterschiedlichen Leistungen aus?

Teiber: Verheerend. Im Bereich der Gebietskrankenkassen wurden Leistungen bereits jetzt weitgehend harmonisiert. Die großen Unterschiede liegen zwischen den Kassen der Beamten, der Selbständigen und der ArbeitnehmerInnen in der Privatwirtschaft. Diese Unterschiede werden jetzt noch weiter anwachsen. Was wir bekommen, ist eine Drei-Klassen-Medizin. Übrigens: Politiker werden in jener Kasse versichert sein, die die besten Leistungen anbietet.

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